Brora Golf Club

Pin placement can be arranged to ensure three putts

von Mark Horyna

Vor nur wenigen Tagen stand im Netz zu lesen, dass der legendäre Brora Golf Club kurz vor der Pleite steht. Für uns Grund genug, Ihnen den Platz, den wir schon einige Male spielen durften, ans Herz zu legen.

Der Brora Golf Club, der im nächsten Jahr sein hundertdreißig jähriges Bestehen feiert, steht ein wenig im Schatten des berühmten Nachbarn Royal Dornoch. Wahrscheinlich ist eine Runde Golf auf den gefeierten Links überhaupt der Grund für Sie, in der Gegend zu sein. Doch lassen Sie, wenn Sie schon mal da sind, auf keinen Fall die Chance aus, diesen Traumplatz an der nordöstlichen Küste Schottlands zu besuchen.

Der Brora Golf Club wurde 1891 gegründet, zu einer Zeit als das heute eher verschlafene Brora ein kleines blühendes Industrie- und Handelstädtchen war. Man bespielte ursprünglich einen kleinen 9-Loch-Platz, der schon bald auf 18 Bahnen erweitert wurde.

Clubhaus Brora
Clubhaus Brora © Mark Horyna

Der nicht gänzlich unbekannte J.H. Taylor nahm früh an dem ersten Layout einige Änderungen vor, eher die Mitglieder im Jahre 1923 den legendären Pro und Platzdesigner James Braid holten, um die Anlage zu überarbeiten.

Braid zögerte nicht lange. Er reiste mit dem Zug an und brauchte angeblich nur die Zeit bis zur abendlichen Abfahrt der nächsten Bahn, um den Verantwortlichen des Clubs seine Vorschläge zu unterbreiten und damit dem Platz bis heute seinen Stempel aufzudrücken.

Für seine kurze, aber weit in die Zukunft weisende Arbeit bekam der Schotte, zu dessen bekannteren Arbeiten das Re-Design Carnousties in 1926 und Gleneagles (Kings Course und Queens Course) gehören, 23 Pfund. Viele glauben, die Summe sei die vielleicht klügste Investition der Golfgeschichte.

Die Mitglieder des Clubs haben denn auch das Layout während der letzten einhundert Jahre kaum verändert und können heute stolz damit werben, dass ihr Platz vielleicht der weltweit einzige ist, der die Designphilosophie Braids in Reinform repräsentiert.

Die ersten neun Löcher führen entlang der Küste vom Clubhaus weg. Keine Dünen versperren, wie andern Orts, den Blick. Aber die herrliche Aussicht aufs Meer hat ihren Preis. Denn wo der Blick frei schweifen darf, kann der Wind erbarmungslos blasen. Und hier an der Nordostküste bläst er häufig.

Grün Brora © Mark Horyna

Die manchmal sehr kleinen ondulierten Grüns sind bunkerbewehrt und von niedrigen Elektrozäunen gegen die frei auf der Anlage grasenden Schafe und Kühe geschützt. Hart, schnell und schwer zu lesen, werden sie den einen oder anderen 3-Putt für jeden Spieler bereithalten, der schlampig annähert und seinen Ball nicht rechtzeitig zum halten bringen kann. Die engen Fairways sind sanft bewegt und fest. Selten steht man absolut gerade, aber nur wer sich weit abseits der gedachten Spiellinie wiederfindet, wird mit einem schlechten Stand bestraft. Der Platz ist nicht unbedingt lang, auch nicht unfair und doch eine ziemliche Herausforderung.

Elektrozaun am Grün © Mark Horyna

Das Eröffnungsloch mit dem Namen „Ardassie“ ist knapp 279 Yards lang. Vom Abschlag aus kann man zwar erahnen, wo der Drive platziert werden muss, doch die Landezone ist kleiner, als man denkt. Ein zu langer erster Schlag läuft in Gefahr, im linken Rough zu verschwinden und wahrscheinlich nicht wieder gefunden zu werden. Zu weit rechts will man auf keinen Fall mit dem Abschlag landen, von dort ist das Grün nämlich nur zu erahnen. Es macht hier also Sinn, den Driver im Bag stecken zu lassen. Und nicht nur hier auf der ersten Bahn. Brora hat, wie viele der alten schottischen Links, für Longhitter nicht viel übrig. Wer hier mit bloßer Länge ans oft nahe Ziel zu kommen versucht, wird schnell eines Besseren belehrt.

Hat man das Grün der ersten Bahn mit dem zweiten Schlag erreicht, ist Par noch keine sichere Sache. Wie Hugh Baillie in seinem im Proshop erhältlichen Buch „Golf in the Back of Beyond“ festhält und damit eigentlich alle Grüns der Anlage treffend beschreibt: „Pin placement can be arranged to ensure three putts.“ Wer seinen Putter nicht beherrscht, wird in Brora zu kämpfen haben.

Links view Brora © Mark Horyna

Der Blick vom zweiten Abschlag bietet schon früh einen der besten Momente der Runde. Von hier kann man über den gesamten Platz sehen. Man spürt sofort, dass die lange Reise sich gelohnt haben wird. Egal wie der Score ausfallen wird, egal wie der Wind an der Mütze reißt oder ob – wie so oft hier – der Regen senkrecht herabpeitscht. Brora offenbart sich von hier als wahre Schönheit. Die Bahnen mäandern durch das sanfte Dünenland der sandigen Bucht. Man sieht Rinder und Schafe unbeaufsichtigt auf der Anlage grasen. Golf wie es mal war und wie man es bei uns nicht kennt.

Das klassisch gestaltete Layout bricht auf der sechsten Bahn, dem ersten Par 3, erstmals mit dem Routing und führt den Spieler kurz landeinwärts. Wie häufig bei Braid, liegen die Gefahren deutlich sichtbar vor dem steil aufsteigenden, stark ondulierten Grün. Drei gut platzierte Bunker ziehen jeden nicht perfekten Schlag magisch in ihre Tiefe. „Witch“, wie das Loch passend genannt wird, ist in der Tat eine Hexe. Das Grün selbst ist schwindelerregend onduliert. Ein Bogey ist hier nichts, wofür man sich schämen muss.  

Fairway, Rough, Meer, Himmel © Mark Horyna

Auch das nächste Par 3, die neunte Bahn, mit dem Namen „Sea Hole“ ist eine gefährliche Schönheit, die man nur allzu leicht unterschätzen kann. Zwei Bunker verteidigen das Loch links und rechts. Die täuschen optisch allerdings eine kürzere Bahn vor und wer gegen den vorherrschenden Wind zu lang ist, findet sich schnell auf dem hinter dem Grün beginnenden Strand wieder. Brora verführt. Man sollte sich nicht täuschen. Hier sind es Nuancen, die zählen. Kaum eine Bahn, die nicht überrascht, kaum ein Grün, das nicht erstaunt. 

Der Rhythmus des Layouts ist perfekt und die Intensität der Bahnen steigert sich, (ein Freund sagte) wie bei Orffs Carmina Burana bis zum Schluss, wo die 17 „Tarbatness“, ein exzellentes Par 4, zusammen mit dem „Home Hole“, ein langes Par 3, einen wirklich dramatischen Abschluss bildet.

Greenkeeping Brora Style © Mark Horyna

Brora ist ein Muss, wenn Sie ondulierte Grüns, Wind und klassische Links mögen. Wenn Sie leise Töne lieben und kleine Details schätzen und nicht glauben, dass Länge alles ist, sollten Sie unbedingt am frühen Morgen dort abschlagen. Dann können Sie am Nachmittag erneut aufteen. Das werden Sie gewiss wollen.

Brora Golf Club kämpft wie viele alte Clubs in der Corona Pandemie ums Überleben. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie helfen können, können Sie sich hier erkundigen.


Die Homepage bietet einige schöne Flyover Videos. Damit Sie sich schon mal warmsehen können.

Über den Autor

Mark Horyna, Golfjournalist

Autor und Filmemacher Mark Horyna lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Seine Texte finden Sie regelmäßig im australischen „Caddie-Magazine“, der deutschen „Heritage Post“, dem schweizerischen „GolfPlus“ und dem österreichischen „Perfect Eagle“. Als „The New Gentleman Golfer“ treffen Sie ihn in den sozialen Medien und gelegentlich auch vor der Kamera. Er hat zudem Golfbetriebsmanagement (IST) studiert und ist Vorstand eines Fördervereins, der sich um den Golfnachwuchs kümmert. Sie erreichen Horyna telefonisch unter 01743330702 und per Mail:

mr.horyna@thenewgentlemangolfer.com

Portrait Mark Horyna
© Michal Zagórski

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