Schulterprobleme beim Golf

Gibt es Verletzungen der Schulter durch „Golfsport“?

von Dr. med. Wolfgang Kunz, ATLASKLINIK, Neuhausen

In meiner langjährigen Tätigkeit als Orthopäde und Sportmediziner habe ich mich schwerpunktmäßig mit Erkrankungen der Schulter beschäftigt. Nicht erst seit ich vor Jahren meine eigene „Platzreife“ bekam, habe ich gemeinsam mit Kollegen aus dem ärztlichen und physiotherapeutischen Therapiebereichen insbesondere nach die Schulter verletzenden Verletzungsmustern im Golfsport gesucht.

So haben wir bereits im Rahmen eines medizinischen Ärzte und Physiotherapeuten Symposiums uns aus eigener empirischer sowie wissenschaftlich bestätigter Sicht die Frage gestellt, ob es zu irgendeinem Punkt in der Phase des Golfschwungs zu Verletzungen der Schulter kommen kann? Umso interessanter ist diese Fragestellung vor dem Hintergrund der zunehmenden Begeisterung bei „Alt und Jung“ für diese spezielle Sportart: Der Deutsche Golfverband meldet offiziell mehr als 630 000 eingetragene aktive Golfer, wobei noch nicht die ca. 20000 clubfreien Golfspieler berücksichtigt sind. Also ein großes Potential an potentiellen Verletzten, so dachten wir uns, als wir vor Jahren die Gemeinschaft der Golf Therapeuten gründeten (mehr unter die Golf-Therapeuten.de). Jedoch weit gefehlt, inzwischen wissen wir, dass direkte traumatische Verletzungen insbesondere der Schulter durch das Ausüben des Golfsports eher selten sind. Bei intensiver Ausübung des Golfsports kommt es bei den Profigolfern zu sogenannten „Überlastungsschäden“!

Vorbeugen statt operieren

Hier setzt auch der Behandlungsansatz an, der gezielt auf eine Prävention statt auf eine Therapie setzt, nach dem Motto „vorbeugen statt operieren“. Inzwischen hat der Golfsport mit seinem umfangreichen Bewegungsmustern auch die klinische Forschung an den Universitätskliniken erreicht. In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Der Orthopäde“ (Band 43, Heft 3, 2014) bestätigt der Kollege PD Dr. Liem vom Universitätsklinikum Münster, dass der Golfsport bei Profisportlern in der nicht dominanten Schulter zu einer hinteren „Mikroinstabilität“ im Schulterkapsel und im hinteren Sehnenbereich führen kann, hingegen bei Amateurgolfern eher altersspezifische Schulterverletzungen auftreten, so z.B. eine Arthrose außerhalb der Schulter im Schulterdach dem sogenannten „Schultereckgelenk“ (AC Gelenk) sowie Verletzungen der sogenannten „Rotatorenmanschette“ (die 4 Rotatorenmuskeln und Sehnen zentrieren und bewegen den Oberarmkopf in der Pfanne des Schulterblatts).

In Bezug auf eine operierte Schulter decken sich unsere Erfahrungen mit denen von Dr. Liem in Bezug auf das „back to sports“: Golf kann man nach Operationen an der Rotatorenmanschette oder nach Schulterprothesenimplantation weiterhin spielen! Unsere Patienten beweisen uns dies täglich und trotzdem bleibt unser Hauptaugenmerk auf die Prävention gerichtet, und das bedeutet für den Golfsportler ein intensives Mobilisieren, Dehnen und Kräftigen der Rotatorenmuskeln am Schultergelenk, was das Schultergelenk für den Golfsport funktionsfähig hält! Gerade mit Augenmerk auf die Prävention sind unsere Physiotherapeutischen Kollegen bei den Golftherapeuten extrem bemüht, vorbeugende Übungen für und mit dem „Golfer“ zu trainieren. Das Training lohnt sich!

Mehr hierzu auch im Buch „Schulterschmerzen was tun?“ von Dr. med. Wolfgang Kunz

Über den Autor

Dr. med. Wolfgang Kunz ist Facharzt für Orthopädie, Chirurgie, Unfallchirurgie , Sportmediziner. 1991 wechselte Dr. Kunz aus einem der größten neurochirurgischen Zentren Deutschlands in die Allgemeinchirurgie des Bethesda Krankenhauses in Wuppertal wo er den Facharzt für Allgemeinchirurgie erwarb. Von 1997 bis 2001 war er als orthopädischer Oberarzt in der Universitätsklinik Tübingen( Baden Württemberg) tätig und erlangte die Facharztanerkennung als Orthopäde.

Früh spezialisierte er sich auf die endoskopische Knie- und vor allem Schulterchirurgie. In den letzten Jahren war er darüber hinaus auch in verschiedenen chirurgischen Fachdisziplinen im Ausland tätig, so z.B. 1996 in den USA an der bekannten STONE CLINIK in San Francisco. Weiterhin war er an der Forschung und am Aufbau und der endoskopischen Gelenkchirurgie an der Universitätsklinik Constanca ( Rumänien) involviert.

Seit Juli 2001 ist Dr. med. Kunz als niedergelassener Orthopäde und Sportmediziner in den Räumen der ATLASKLINIK in Neuhausen / Fildern tätig. Dr. Kunz gehört zu den Golftherapeuten und ist Mitglied in verschiedenen Vereinen im Schwerpunkt in der Medizin. Eigene Puplikationen , Veröffentlichungen von Fachbüchern und innovativen OP- Verfahren vor internationalen Fachpuplikum vermitteln ihm weltweit Kompetenz.

Buch-Cover

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