Commander in Cheat von Rick Reilly

Präsidentendarsteller, Verbrecher und Betrüger auf den Grüns

von Mark Horyna

Rick Reilly ist einer der bekanntesten Autoren der Golfwelt. Er wurde elf (!) mal als „Sportswriter of the Year“ ausgezeichnet und ist unter anderem Autor eines meiner Allzeit-Favoriten „Who’s your Caddy?“ 

Sein im letzten Jahr erschienenes, hochinformiertes und äußerst amüsantes Buch „Commander in Cheat“ beleuchtet die enge und ziemlich toxische Beziehung des orangen Monsters Trump zu unserem geliebten Spiel. 

„Commander in Cheat“ folgt Trumps zerstörerischen Weg durch die Golfwelt. Akribisch zeigt die Narration seine ekelhaften Lügen auf, seine Betrügereien und Angebereien. Im Geschäftsleben, in der Politik und auf dem Golfplatz. Differenziert beschreibt Reilly all die unglaublichen Dinge, von denen Sie gehört haben und die Sie – weil sie teils eben wirklich unglaublich sind – doch kaum glauben können.

Reillys Prosa ist fantastisch. Es gibt kaum eine Seite ohne Anekdoten oder großartige Zitate. Der Autor lässt einige der angesehensten Persönlichkeiten der Golfwelt ausgiebig zu Wort kommen. Die Designer Tom Doak, David McLay Kidd und Tom Fazio sprechen über Trumps bizarres Geschäftsgebaren und seine beunruhigende Leidenschaft für Wasserfälle, die er am liebsten überall hin bauen lassen würde. Bekannte Pros sprechen über selbstgegebene Putts und Gimme-Chips (ja, es gibt eine Welt in der so etwas wirklich existiert), Spielpartner reden über die Unfähigkeit zu zählen und Caddies über sein betrügerisches Besserlegen. Der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein abstoßender, sexistischer Heuchler, er ist aber auch – in Reillys Erzählung – offenbar eine immens traurige, ja beinahe tragische Figur. Unfähig zu verlieren, unfähig, jemals einen anderen gewinnen zu lassen, ist Trump trotz einer speichelleckenden Entourage einsam und ohne echte Freunde. Die Moral dieser Geschichte ist so alt wie das Spiel selbst. 

Der Trumpster ist das wohl Schlimmste, was Golf je passieren konnte, wenn man mal von der Corona-Pandemie, dem Mitgliederschwund, der Überalterung und den vielen anderen Problemen absieht, die das Spiel bedrohen. In wenigen Jahren hat er dem Image unseres Sports immensen Schaden zugefügt und Jahrzehnte lange PR Arbeit zunichte gemacht. Der Mann ist alles, was man an Golf verachten kann: Er ist ein cartfahrender, unhöflicher, fetter, sexistischer, Gimme fordernder, lügender, Mulligan nehmender, rassistischer Idiot. (Ja, hier fehlen sicher einige abwertende Adjektive. Sie können ja frei ergänzen, wenn Sie wollen.)

Sollten Sie zu den Leuten gehören, die immer noch glauben, Trump sei für das Spiel im Prinzip gut (Trump Scotland bei Aberdeen, wird immer wieder erwähnt, zu diesem Thema kommen wir jedoch einmal an anderer Stelle), sollten Sie auf jeden Fall Reillys Buch lesen. Sie werden gewiss eines Besseren belehrt.

Und wenn Sie – wie ich – kein Fan des Fieslings aus dem Weißen Haus sind, werden Sie die Lektüre von „Commander in Cheat“ noch mehr genießen.

Rick Reillys Prosa liest sich natürlich am besten im Original. Allerdings erscheint im September eine Übersetzung von Hans-Peter Remmler:  „Der Mann, der nicht verlieren kann: Warum man Trump erst dann versteht, wenn man mit ihm golfen geht“.

Über den Autor

Mark Horyna, Golfjournalist

Autor und Filmemacher Mark Horyna lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Seine Texte finden Sie regelmäßig im australischen „Caddie-Magazine“, der deutschen „Heritage Post“, dem schweizerischen „GolfPlus“ und dem österreichischen „Perfect Eagle“. Als „The New Gentleman Golfer“ treffen Sie ihn in den sozialen Medien und gelegentlich auch vor der Kamera. Er hat zudem Golfbetriebsmanagement (IST) studiert und ist Vorstand eines Fördervereins, der sich um den Golfnachwuchs kümmert. Sie erreichen Horyna telefonisch unter 01743330702 und per Mail:

mr.horyna@thenewgentlemangolfer.com

Portrait Mark Horyna
© Mark Horyna

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