GOLFSTRs Musik Melange 1

Heute: Lennon Stella, Knochenfabrik, Yamaha Allstars

von Mark Horyna

Musik. Wir alle lieben Musik. Irgendwie versteht sich das von selbst. Viele von uns haben bestimmte Lieder, die wir auf dem Weg zum Platz hören. Einige haben Playlists für die Range. Es gibt Songs, um sich auf den Monatsbecher einzustimmen. Melodien, um die Nerven zu beruhigen (für Matchplayzwecke), andere, um genau diese aufzupeitschen (für Matchplayzwecke). Mancher hat sogar melancholische Balladen, um über das jährlich wiederkehrende Ausscheiden aus dem Clubmatchplay hinwegzutrösten. Und natürlich gibt es zahlreiche Hymnen, um den Sieg – alleine oder in der Gruppe – zu feiern. Wer jemals neben dem Bus einer erfolgreichen AK14 Mannschaft nach einem Auswärtsspiel an der Ampel stand, wird das knarzende Vibrieren der Scheiben kennen. Queen’s „We are the Champions“ taugt auch noch nach Jahrzehnten als gegrölte Hymne.

Natürlich lieben auch Musiker Golf. Nicht alle, aber doch einige. Der legendäre Schock–Rocker Alice Cooper hat ein äußerst lesenswertes Buch über seine Golfsucht geschrieben (Golf Monster – das wir an anderer Stelle sicher einmal vorstellen werden). Von Frank Sinatra und seinem „Rat Pack“ wissen alle, dass sie nicht nur die Bars der Metropolen, sondern auch die Fairways nobler Country Clubs unsicher machten. Dass allerdings Dean Martin sich gerne früh von seinen eigenen Partys schlich, weil er für die morgendliche Runde fit sein wollte, ist nicht jedem bekannt. Von den Beatles gibt es ein Fotoshooting mit Golfschlägern. Die graubärtige Countryikone Willie Nelson ist ein anständiger Golfer. Er half Longhitter und Teilzeitmusiker John Daly beim Einspielen seiner ersten Platte. Superstar Justin Timberlake gilt als Golfjunkie, das Multitalent Snoop Dog ebenso. Roger Waters (ja, der von Pink Floyd) spielt leidenschaftlich, Kenny G und Huey Lewis auch. Die Liste ist lang.  Viele Rockstars, Indiegötter, Opernsänger und DJs finden früher oder später zum Golf und bei manchen findet die Leidenschaft für das Spiel auch einen Weg in ihre Musik. 

Als ich damit anfing, nahm ich an, die besten Golf Tracks für GOLFSTR zusammenzustellen, wäre ein einfaches Unterfangen. Ich habe mich getäuscht. Das Angebot an Golfmusik ist schier unfassbar. Was also in den nächsten Wochen in dieser Serie vorgestellt wird, ist nur ein winziger Ausschnitt der Vielfalt, die es zu entdecken gilt. Dass die Auswahl subjektiv ist, versteht sich von alleine. Trotzdem will ich versuchen, ein möglichst interessantes Spektrum zu präsentieren. Die Bandbreite reicht von E-Musik (um nicht Klassik zu schreiben und damit meine musikalische Unbildung zu beweisen) über Jazz, Swing (haha), Pop, Rock, House, Trance, Indie, Punk, Grunge zu Hiphop und anderen Stilrichtungen, deren Namen ich vielleicht heute noch nicht kenne. Es dürfte für jeden etwas dabei sein.

Jede Woche werden zwei bis drei Tracks und deren Macher vorgestellt. Erwarten Sie keine musikwissenschaftlichen oder feuilletonistischen Exkurse, denn hier schreibt der Liebhaber. Am Ende allerdings (welches, fragt sich der etwas beunruhigte Schreiber) sollten die Titel sich zu einer ziemlich tauglichen Playlist kombinieren lassen.

Enjoy

Lennon Stella, JP Saxe – Golf On TV

Lennon Stella ist eine TausendsassaIn. Die 1999 geborene Kanadierin ist in den letzten Jahren mit mehreren Kooperationen und Soloprojekten aufgefallen. Ihr zugänglicher Popstil ist mit dem Adjektiv zugänglich tatsächlich recht gut beschrieben. Allzuviele Kanten und Ecken finden sich hier nicht. Was ja die Musik nicht schlechter machen muss. Fans amerikanischer Serien werden Lennon Stella vielleicht aus der ABC Produktion „Nashville“ kennen, dort war sie Jahre lang mit ihrer ebenfalls singenden Schwester im Hauptcast zu sehen, Im April 2020 ist ihre erste Studio-LP „THREE. TWO. ONE.“ erschienen. Der hier vorgestellte Track: „Golf on TV“ ist eine melancholische daherkommende Kollaboration mit dem Sänger JP Saxe. Absolut hörenswert, auch wenn die beiden mit Golf im Fernsehen nichts anfangen können.

Some people wanna switch it up
Like just one love
Could never be enough
But some people watch golf on TV
And neither of those things make sense to me

Some people think it’s supposed to hurt
Like it couldn’t be real
If it’s putting you first
But some people watch golf on TV
And neither of those things make sense to me

Empfohlen:

a) In Zeiten von Corona, wenn sich der Partner von den vielen im Netz zu findenden Golfaufzeichnungen nicht lösen kann. b) Nach einem verlorenen Match. c) bei allgemeiner Melancholie und zartem Liebesschmerz.

https://open.spotify.com/track/5xROgo35i9a9IbQgN56Clz?si=OZCBHFL2QoSPPuZvQ1Jyhg

Knochenfabrik – Der Nackte Golfer

Einer der ultimativen Warsongs in meiner Golfsammlung. Die Kölner Band Knochenfabrik, eine Art Wiedergänger der deutschen Punkszene, also eine stets totgesagte Langlebende, singt mit Inbrunst aus dem ewig gültigen Glaubensbekenntnis des „Macht-Kaputt-Was-Euch-Kaputt-Macht“.

Ihr werdet mich nicht kriegen denn mein Geist ist endlich frei
Meinen Körper könnt ihr quälen oder sperrt ihn einfach ein
Macht was ihr wollt ich komme wieder da hilft keine Polizei

Schnell, dreckig, laut und mit einem der besten Zeilen der deutschen Punkgeschichte.


„Und die Hülle meiner Seele wird ein nackter Golfer sein!“

Politisch sicher nicht ganz korrekt, aber einfach großartig:

Empfohlen:

a) Zu jeder Gelegenheit. b) Bei Niederlage – laut! b) Bei Sieg – laut!

Yamaha Allstars – Obviously You Are Not A Golfer

Der dritte Titel dieser Ausgabe lässt sich vielleicht am besten als Jazz für Leute, die Jazz nicht mögen umschreiben. Und soll die beiden Extreme vielleicht ein wenig versöhnen. Die Yamaha Allstars (ein Zusammenschluss ziemlich anerkannter Jazzmusiker) traten 2017 in Frankfurt am Main auf und veröffentlichten unten dem Titel „Live in Frankfurt“ eine hörenswerte Platte, die selbst unwilligste Jazz-Gegner entspannt mit dem Kopf nicken lassen wird. Auch wenn der Golfer im Titel vielleicht ein wenig beliebig daherkommen mag, die Nummer ist klasse und hat seinen Platz auf unserer Playlist verdient.

Empfohlen:

a) Auf dem Heimweg nach einer entspannten Buddie-Runde. b) Zum Autofahren. Wenn Sie nicht am Steuer sitzen, mit einer Dose Bier in der Hand. c) Vor einem Match zur Beruhigung der Nerven.

In der nächsten Ausgabe der GOLFSTR’s Musik Melange gibt es Hip-Hop, Swing und „Klassik“.

Stay tuned!

Über den Autor

Mark Horyna, Golfjournalist

Autor und Filmemacher Mark Horyna lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Seine Texte finden Sie regelmäßig im australischen „Caddie-Magazine“, der deutschen „Heritage Post“, dem schweizerischen „GolfPlus“ und dem österreichischen „Perfect Eagle“. Als „The New Gentleman Golfer“ treffen Sie ihn in den sozialen Medien und gelegentlich auch vor der Kamera. Er hat zudem Golfbetriebsmanagement (IST) studiert und ist Vorstand eines Fördervereins, der sich um den Golfnachwuchs kümmert. Sie erreichen Horyna telefonisch unter 01743330702 und per Mail:

mh@golfstr.de

Portrait Mark Horyna
© Mark Horyna

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