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David Duval wins at Royal Lytham & St Annes | The Open Official Film 2001

von Mark Horyna

In Zeiten der Corona Pandemie wurde auch die eigentlich auf Ende Juli terminierte Open Championship abgesagt. Gestern ist der Ryder Cup auf das nächste Jahr verschoben worden. Noch ist völlig ungewiss, ob Tour Events in der gewohnten Form überhaupt in absehbarer Zeit abgehalten werden können. 

Wir nehmen diese merkwürdigen Umstände zum Anlass, in einer neuen Reihe auf einige Perlen der Golfgeschichte aufmerksam zu machen. Und feiern unser Spiel mit den besten Fundstücken, die das Netz zu bieten hat.

Alle Filme sind ohne Abo, Passwort oder Kreditkarte im Netz verfügbar. Natürlich, der Thrill des „Wer wird gewinnen?“ ist hier nicht gegeben, doch wer Spaß an Golfgeschichte hat, die Neuentdeckung legendärer Ereignisse schätzt, klassische Schwünge liebt und hervorragende Kommentatoren, kommt hier auf seine Kosten. 

Was passiert?

Klar: Hier kann man den großartigen Sieg David Duvals bei der Open Championship 2001 in Lytham & St Annes sehen. Duval war zeitweilig die Nr. 1 der Weltrangliste. Die Älteren in unserer Leserschaft werden sich vielleicht erinnern, das war bevor Tiger Woods zur alles dominierenden Größe des internationalen Golfsports wurde. Auf den stark bebunkerten englischen Links bewies der Mann aus Florida, der seine Markenzeichen-Wrap-around-Sonnenbrille selten von der Nase nahm, eine atemberaubende Form, unglaubliche Fantasie und freundliche Zurückhaltung. Mit einem Score von -10 konnte er nach vier Tagen verdient den Claret Jug entgegennehmen.

Was passiert noch?

Colin Montgomerie spielt zwei Tage lang wohl das beste Golf seiner Karriere, kann aber seine Form nicht halten. Fans nordeuropäischer Spieler kommen auf ihre Kosten. Am ersten Tag liest sich die Tabelle der Führenden wie ein Who-is-Who des skandinavischen Golfs. Fasth, Fulke, Parnevik und Ilonen sind oben mit dabei. Ok, strenggenommen gehört Finnland nicht zu Skandinavien, ich weiß. Am Ende ist das Leaderboard so gemischt wie heute eigentlich nie. Neben Duval aus den USA sind ein Schwede (Fasth), ein Südafrikaner (ELS), ein Nordire (Clarke), ein Spanier (Jimenez), ein Waliser (Woosnam), ein weiterer Amerikaner (Mayfair) und ein Deutscher ganz oben. Aus heutiger Sicht ungewöhnlich.

Was gibt’s sonst zu sehen?

2001 war Bob Charles letzte Open. Und auch der legendäre Gary „Black Knight“ Player verabschiedet sich als Spieler von der Championship: Mit Stil und Bescheidenheit. Mountainbike fahrende medizinische Ersthelfer radeln durch die Dünen. David Loves Par auf der 18 am zweiten Tag hat echt Schauwert. Ein Pub in der Stadt mit echtem Rasenbelag im Schankraum wird am Abend zum Treffpunkt internationaler Fans. Parneviks Putter sieht aus wie ein Raumschiff, seine Mütze muss nicht erwähnt werden. Zumindest aus Sicht des Kommentators Martin Jarvis.

Und dann einmal mehr: Bernard Langer. Es ist schlicht unglaublich, wie großartig Langer ist. Hier in 2001 geht er nach einer 67 in der dritten Runde mit Duval, Woosnam und Alex Cejka in die geteilte Führung. Zwei Deutsche an erster Stelle vor der letzten Runde einer Open gab es wohl selten – wenn überhaupt.

Und natürlich ist da diese unvergessene Geschichte mit Ian Woosnam. Der vielleicht tragischste Fehler in der Geschichte der Majors (seit Vincenzo in Augusta, dazu aber ein anderes Mal). Der Caddie des Walisers, entdeckt nach einem beinahe Hole-in-One auf der ersten Bahn, einen 15. Schläger in Woosnams Bag. Die zwei Strafschläge, die sich daraus ergeben, sind folgeschwer. Woosnam, außer sich vor Wut, verliert an Momentum und kann, trotz einer hervorragend gespielten Runde, den Verlust nicht mehr ausgleichen. Am Ende muss er sich mit einem geteilten dritten Platz begnügen.

Wie sieht’s aus?

Sportlich siehts aus. Die Pros sind hier schon dabei sich in moderne Athleten zu verwandeln. Natürlich, Woosnam, Monty und Jimenez sehen immer noch so aus wie Jungs, die man freitags besoffen im Pub treffen könnte, doch eine neue Generation beginnt das Spiel zu dominieren. Woods und Duval aber auch auch Garcia sind richtige Sportler. Von den Skandinaviern ganz zu schweigen. 2001 markiert eine Art Wachablösung. 

Und sonst so?

Baggy-pants mit Bundfalten, eine, zwei, manchmal drei. Man experimentiert mit Turtleneckshirts und die Kappen sehen fast so aus wie heute. Schwünge werden athletischer, Golf wirkt hier schon sehr wie Sport. Auch wenn Duval leger zu schwingen scheint, er prügelt den Ball weit über 300 Yards. 

Trivia

In England erreichte Robbie Williams Lied „Road to Mandalay-Eternity“ am 21.07. Platz eins der UK-Single Charts. Robbie rast, fährt, raubt, schmust, tanzt, hüpft mit Model Lisa Seiffert durch das Video. Eine Crime-Liebesgeschichte, die trotz Sonne, Tennis, Billiard und Bikinis tragisch offen enden muss. Schauen Sie mal rein. Er spielt auch Golf. Eine perfekte Sommerschnulze.

Während Duval um den Titel „Champion Golfer of the Year“ rang, veröffentlichte Michael Bully Herwig den Film „Der Schuh des Manitu“. Für die, die sich nicht daran erinnern, eine recht witzige Parodie auf die Karl May Verfilmungen der 60er. Die ziemlich alberne Komödie gehört zu den erfolgreichsten Filmen des deutschen Nachkriegsfilms. Fast 12 Millionen Deutsche sahen den Streifen im Kino. Zur Erinnerung, hier der Trailer aus dem Hause Constantin.

Und heute?

Die Open 2001 blieb Duvals einziger Major Titel. Der ehemalige Ranglistenerster fiel komplett auseinander und obwohl er hartnäckig immer wieder antrat, konnte er seit seinem Sieg in 2001 kein nennenswertes Ergebnis mehr erzielen. Auch sonst fand er nie zu seiner alten Form zurück. 2014 verlor er seine Tourcard und arbeitet nun als angesehener, kluger, höflicher Analyst und Kommentator für den Golf Chanel. 

Über den Autor

Mark Horyna, Golfjournalist

Autor und Filmemacher Mark Horyna lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Seine Texte finden Sie regelmäßig im australischen „Caddie-Magazine“, der deutschen „Heritage Post“, dem schweizerischen „GolfPlus“ und dem österreichischen „Perfect Eagle“. Als „The New Gentleman Golfer“ treffen Sie ihn in den sozialen Medien und gelegentlich auch vor der Kamera. Er hat zudem Golfbetriebsmanagement (IST) studiert und ist Vorstand eines Fördervereins, der sich um den Golfnachwuchs kümmert. Sie erreichen Horyna telefonisch unter 01743330702 und per Mail:

mr.horyna@thenewgentlemangolfer.com

Portrait Mark Horyna
© Michal Zagorski

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