GOLFSTRs DAS BESTE AN 2020 – Teil 2

Dragon Golf

Nach einem Jahr, in dem böse Überraschungen an der Tagesordnung waren, wollen wir uns hier auf das Positive konzentrieren. In den nächsten Wochen stellen wir verschiedene Produkte kleinerer Hersteller vor, die uns in der Saison 2020 überzeugen konnten. Wer noch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk für sich oder andere sucht, wird gewiss fündig. Bewusst verzichten wir darauf, die vielen hervorragenden Produkte großer Firmen vorzustellen. Diese findet man ja zur Genüge in den einschlägigen Medien

von Mark Horyna

Die japanische Schmiedekunst ist weltberühmt für ihre Jahrhunderte alte Tradition qualitativ hochwertiger Schwerter und Messer. Doch es stammen aus den Werkstätten der Inselgruppe nicht nur teuerste Kochwerkzeuge und todbringende Klingen. Wo Stahl dieser Güte hergestellt und verarbeitet wird, entstehen auch Waffen ganz anderer Art. 

Es überrascht nicht. In Japan werden einige der besten Golfschläger der Welt produziert. Nicht nur Firmen wie Mizuno, Bridgestone, Honma und Miura erfreuen sich großer Beliebtheit. Einige kleinere, außerhalb Japans kaum bekannte Manufakturen erregen mit ihrer Arbeit derzeit international Aufsehen. Diese bringen neben der weltberühmten Präzision und Materialqualität fast anachronistisch wirkende Tugenden in die Fertigung ein und beleben diese neu. 

Die japanische Ästhetik kennt Kategorien, die im Westen verwundern, aber auch eine interessante Faszination ausüben. Der Begriff des Takumi zum Beispiel bedeutet „Handwerker“. Das Wort kann jedoch auch einen Grad an Meisterschaft meinen, den der Fachmann eines bestimmten Gewerkes erst nach sechzigtausend (60.000) Stunden Übung erreichen kann. Das heißt, wer als Schreiner, Schmid oder Eisengießer den Titel Takumi trägt, betreibt sein Handwerk bei einem angenommenen Acht-Stunden-Tag und 230 Arbeitstagen im Jahr, seit mehr als 32 Jahren. Ein Takumi also ist eine Art Meister-Meister. Jemand der nie auslernt, und dessen handwerkliche Fähigkeiten westliche Maßstäbe und Vorstellungen sprengen. 

Ein anderer Begriff, der den des Takumi vielleicht auf dem ersten Blick zu widersprechen scheint, ist Wabi-Sabi. In diesem aus dem Geiste des Zen entstandenen ästhetischen Konzept, liegt die Betonung nicht auf die glatte Perfektion eines Gegenstandes, sondern auf das Unvollkommene, auf das Authentische. Der Begriff ist schwer zu übersetzen. Im Kern meint es aber, dass nichts bleibt, nichts abgeschlossen ist und nichts perfekt. Damit wird auch klar: Egal, wie meisterhaft ein Takumi sein Handwerk beherrscht, nie sind die Ergebnisse unveränderlich, niemals ist der Weg des Lernens abgeschlossen und nie ist etwas perfekt. Alles fließt dahin.

In der Präfektur Hyogo liegt Ichikawa. Die Stadt kam man guten Gewissens als Hotspot der geschmiedeten japanischen Golfschläger bezeichnen. Hier sitzt Kyoei Golf, eine Firma, die sich mit der Produktion von Prototypen und exklusiver Kleinserien für internationale Golffirmen einen Namen gemacht hat. Mit Takumi Japan hat die Firma nun eine Eigenmarke gegründet deren Produkte ausschließlich von Takumi Handwerker gefertigt werden. Die Schlägerköpfe sind von bestechender Schönheit und wirken mit ihrer gradlinigen Form, wie eine Inkarnation der Takumi Philosophie. Man kann sich kaum ein klassischeres Golfeisen vorstellen.

Einen etwas anderen Weg geht die kleine Manufaktur MTG mit ihren Itobori Eisen. Auch hier stammen die Schlägerkopfrohlinge aus der Kyoei Fertigung in Ichikawa, allerdings werden sie von MTG Gründer Mayuji Takai händisch weiterbearbeitet.

Takai, ein ehemaliger Profi-Golfer fertigt jeden einzelnen Schläger selbst und nutzt dabei eine an die alte japanische Schnitzkunst Ichi-Ittobori erinnernde Technik, die schon vor Jahrhunderten bei der Produktion von Schwertern Anwendung fand. Mit dieser groben Schleiftechnik wird sehr schnell viel Material abgetragen, was zu einer einmaligen Optik und Spielbarkeit führt. Das Material verhärtet dabei weniger als bei herkömmlichen Schleifverfahren. In nächsten Schritt werden die Schlägerköpfe kaltgeschmiedet und verdichtet, bevor sie schließlich beschichtet und individualisiert werden. Das Ergebnis sind wunderschöne, individuelle Unikate, die den Geist des Wabi-Sabi ebenso in sich zu tragen scheinen, wie die Schläger aus der Takumi Japan Manufaktur das Streben nach Perfektion abbilden.

Golf ist für viele von uns ein unentwegtes Streben nach Perfektion. Obwohl jeder im Inneren weiß, dass diese nie erreicht werden kann. Auch wenn handgefertigte Schläger keinen perfekten Golfer machen, der Weg des Scheiterns wird in ihrer Begleitung ein besserer sein.

Die hier beschriebenen Schläger sind bei www.dragongolf.de erhältlich.

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Über den Autor

Mark Horyna, Golfjournalist

Autor und Filmemacher Mark Horyna lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart. Seine Texte finden Sie regelmäßig im australischen „Caddie-Magazine“, der deutschen „Heritage Post“, dem schweizerischen „GolfPlus“ und dem österreichischen „Perfect Eagle“. Als „The New Gentleman Golfer“ treffen Sie ihn in den sozialen Medien und gelegentlich auch vor der Kamera. Er hat zudem Golfbetriebsmanagement (IST) studiert und ist Vorstand eines Fördervereins, der sich um den Golfnachwuchs kümmert. Sie erreichen Horyna telefonisch unter 01743330702 und per Mail:

mh@golfstr.de

Portrait Mark Horyna
© Mark Horyna

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